Weald & Downland Living Museum

Pit

August 18, 2026

Am Samstag noch zu Gunsten Winchesters verschoben, holen wir heute den Besuch im Freiluftmuseum nach. Eigentlich sind wir gerade etwas Urlaubsmüde, zu viele Eindrücke müssen verarbeitet werden, aber heute Abend sind wir glücklich, uns auf den Weg gemacht zu haben. Wie die Vogtsbauernhöfe im Schwarzwald, erzählt das Museum Geschichten aus Jahrhunderten. Unglaublich und Faszinierend zugleich, die Erkenntnis, wie die Leute so gelebt haben und welchem Luxus wir heute frönen und welcher Luxus wenigen früher vergönnt war.

Groß (OAM_P8)
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Shadow

Da ist zB Herr Scott, der uns eine Geschichte zu Molkereien erzählt, eigentlich denkt man „oh – schnell weiter – das ist bestimmt langweilig“, aber weit gefehlt! Mit englischem Humor tauchen wir ein in das späte 17. Jahrhundert, wo für einige Leute, wie Francis 5th Duke of Bedford, Geld keine Rolle spielte und sie sich Molkereien im Stil chinesischer Pavillons bauen ließen, innen marmorverkleidet, überall feinstes Porzellan, die Gebäude von den besten Architekten entworfen. Ein regelrechter Wettstreit entbrannte, wer denn wohl die schönste, funktionalste und wahrscheinlich teuerste Molkerei am Start hat. Das Milchhäuschen hier ist etwas kleiner und praktischer, es gibt einen warmen Teil für die Aufbereitung von Werkzeugen und Produkt, sowie einen kalten Teil für die Lagerung. So spannend kann eine Molkerei sein.

Überhaupt die Ehrenamtlichen! In fast jedem Haus sitzt jemand, der mit Charme und Witz, manchmal in Originalkostümen Geschichten erzählt und Fragen beantwortet, es gibt für die Kinder Bastelmöglichkeiten, das ist schlicht großartig!

Die Reise geht von einem Hof aus dem Jahr 1080 bis ins 19. Jahrhundert, oft wurden die ursprünglichen Gebäudeteile lange eingelagert, bevor eine Restaurierung gelang, hier im Museum ist alles didaktisch bestens aufbereitet, den Audioguide legen wir beiseite, der ist unbequem zu benutzen, dafür gibt es in jedem Haus einen übersichtlichen Ordner und wir können unbekannte Vokabeln wie Pewter = Zinngeschirr nachschlagen.

Manche Zeit war mehr als grausig, 1348 kam die Pest nach England, raffte 70% der Bevölkerung dahin, positiver Effekt: es fehlte an Bauern, so wurde es den Menschen einfacher gemacht, Land zu erwerben, ein freier Bauer zu werden. Über die Jahre sieht man wachsenden Wohlstand, besaßen die Leute im 11. Jahrhundert gerade Tisch und Stühle, gibt es 500 Jahre später schon Kamine, bald Bücherregale, einen Abtritt auf den Misthaufen und andere Vorzüge moderner Zeit.

Also wieder eine klare Empfehlung für einen Tagesausflug! Nebenbei gibt es Plätze fürs Picknick, Tee und Kuchen im Restaurant und es verläuft sich trotz sehr guten Besucherandrangs schnell.

Midhurst, den 18. August 2026