Jazz passengers feat. Debbie Harry

Pit

Oktober 20, 2026

01. Juli 1995 und es sollte eines der schönsten Hofkonzerte meiner 9-jährigen Tontechnik-Karriere im Podewil werden. Die berühmten Jazz Passengers haben die noch berühmtere Blondie dabei und wir sind alle ganz aufgeregt. Unser kleines Theater hat eine romantische Bühne auf dem Hof, die Treppe am Erker, da passen 5 Musiker:innen gut hin, dann wird es aber schon kuschelig. Es gibt vom Band-Management keine speziellen Vorgaben und so bauen wir auf wie immer. Kleines Besteck, um tolle Jazz-Künstler leicht zu verstärken. Wir ahnen ja nicht ….

15:00 Uhr ist Soundcheck-Zeit und wer keine Lust hat ist Blondie. Überflüssiger Krimskrams! Schlecht gelaunt mit dunkler Sonnebrille kommt sie an, die Jungs der Jazz-Passengers sind sehr professionell, aber eine Sängerin ohne Soundcheck kann ich eigentlich nicht durchgehen lassen. Aber was soll man machen? Ich kann sie schlecht zwingen, bin selbst seit Kindheitstagen großer Blondie-Fan. Die frühen Werke, Dennis, Call me – eine Ikone des New Wave! Im New Yorker CBGB trat sie auf, Patti Smith und Kollegen! Was für eine Zeit! Da wäre ich gerne dabei gewesen.

Aber jetzt wenigstens Podewil und eine Stunde vor Konzertbeginn fluten Menschen unseren intimen Hof. Bestimmt 1000 Zuschauer:innen wollen teilhaben und alle scheinen zu wissen, was heute ist. Blondie hat Geburtstag! 50! Das erklärt ihre schlechte Laune des Nachmittages aber auch das Meer an Blumen, welches die Bühne in sommerlichen Farben taucht. Die Band legt los, wie die Feuerwehr, aber es braucht einige Zeit, bis der Sound von Blondie stimmt, der Monitor ist zu leise, die Stimmung mies. Wir bekommen das schnell geregelt, Soundcheck halt unter Live-Bedingungen und die Augen von Blondie fangen an zu glänzen, wie die Augen ihrer unzähligen Fans! Die Liebe trägt sie zu wesentlich besserer Laune, sie wirkt sehr glücklich. “The tide is high”, “call me” aus ihren Band-Zeiten sind die Highlights des Konzertes. Leider verbietet das Management den üblichen Mitschnitt des Konzertes und so bleiben nur die Erinnerungen.

Es bleibt das Blumenmeer. Da wir in der vom Hausmeister verschmähten Dienstwohnung wohnen und einen direkten Blick auf den Hof haben, kann Kerstin zuschauen und wir heimsen Blumen! Unvergesslich!

Berlin, den 01. Juli 1995 | Bad Belzig im Oktober 2026